25 JAHRE BIKO IN BADEN
WAS BRAUCHT BILDUNGSARBEIT?

EIN RÜCKBLICK DER ARBEITSTAGUNG MIT DEM SCHWERPUNKTTHEMA „RESPEKT — POPULISMUS“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zu Recht können wir stolz sein auf das, was wir geschaffen haben: eine Bildungseinrichtung auf der Basis von politischen und gewerkschaftlichen Werten, die in 25 Jahren gewachsen ist und zum Erfolgsmodell wurde. 1994 haben sich neun Gründungsmitglieder zusammengefunden, um die „Biko in Baden e. V.“ zu gründen. Mit sauberer Arbeit, immer wieder guten Ideen, dem Blick auf Bildungsqualität und unsere Werte wurde die Biko immer weiterentwickelt. Der Erfolg zeigt sich in der betrieblichen Umsetzung. Und mit 25 Jahren sind wir noch „jung“ und haben für die nächsten Jahre reichlich Tatkraft und vor allem Lust darauf, gute Bildungsarbeit für betriebliche Interessenvertretungen zu leisten.

Der Dank gilt vor allem den Kolleginnen und Kollegen, die täglich dafür arbeiten, erfolgreiche Seminare anzubieten. Aber auch an die vielen Teilnehmenden, die mit ihrer Arbeit eine gute „Werbung“ für die Biko machen. In der täglichen Arbeit im Betrieb und in den Seminaren stehen respektvolles Handeln und ein gemeinsames Selbstverständnis im Mittelpunkt.

Das Motto für unser 25-jähriges Jubiläum lautete deshalb: Respekt – Populismus – Was braucht die Bildungsarbeit?

Claudia Peter
Vereinsvorsitzende
Bildungskooperation in Baden e. V.

WORTE WERDEN ALS WAFFE GENUTZT

DER VERSUCH EINER ANNÄHERUNG AN BEGRIFF UND WIRKUNGSWEISE VON POPULISMUS

INTERVIEW MIT ANGEL STÜRMLINGER
Geschäftsführung Bildungskooperation in Baden e. V.

Warum beschäftigt sich die Biko überhaupt mit dem „Phänomen“ des Populismus?
In den Seminaren spielen Themen und Schwerpunkte aus den Betrieben die entscheidende Rolle. Und da stellen wir fest, dass populistische Parolen nicht nur in der „großen“ Politik eine Rolle spielen, sondern dass auch in den Betrieben zum Teil Menschen respektlos miteinander umgehen. Oder dass einzelne Beschäftigte oder Beschäftigtengruppen ausgegrenzt werden. Manchmal werden auch Betriebsratsmitglieder wegen ihrer Arbeit angegangen. Und genau das alles wird in unsere Bildungsarbeit reingetragen.

Populisten behaupten von sich, die Sprache des Volkes oder der „kleinen Leute“ zu sprechen und sie zu verstehen.
Populisten lassen Politiker oder Menschen, die sich engagieren, allesamt korrupt oder unfähig erscheinen, als Karrieristen, die in erster Linie auf ihren eigenen Vorteil aus sind und das eigene Land zugrunde richten wollen.

Wie schaffen es Populisten, dass ihnen zugehört wird?
Themen und Probleme werden in einfache Botschaften gepackt. Einfache Ideen und Schlagworte werden immer wiederholt. Egal, ob sie stimmen oder nicht. Aus den wiederholten Behauptungen werden „Fakten“ gemacht. Populisten bestimmen, was Fakten sind. Es gibt in ihren Schlagworten nur Schwarz oder Weiß. Damit werden komplizierte Sachverhalte auf einfache „Formeln“ reduziert.

Das Unwort des Jahres 2017 „alternative Fakten“: Was bedeutet dies im Zusammenhang mit Populismus?
Es werden Behauptungen aufgestellt, die Gefühle wecken. Es geht nicht darum, ob diese Behauptungen richtig sind, sondern nur darum, dass sie viel Zustimmung bekommen. So wird aus einem Irrtum eine „Wahrheit“ gemacht.

Der Hauptgegner „alternativer Fakten“ ist die Wissenschaft. Wie ist dazu der Umgang?
Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft oder von erwiesenen Fakten wird einfach infrage gestellt. Gibt es irgendwo in der Wissenschaft nur einen Fehler, wird sie komplett infrage gestellt.

Das Gefühl sagt hü, der Verstand sagt hott?
Dem Einzelnen beschert das im Alltag schon Schwierigkeiten, weil sich hier „Bauch“ und „Kopf“ gegenüberstehen. Für Populisten ist das aber kein Problem. Für sie ist lediglich von Bedeutung, dass die Gefühle der Menschen sie zum Handeln gegen etwas bewegen. Der rationale Verstand wird ausgeblendet. Dort, wo es kompliziert wird, wo es eine differenzierte Betrachtung gibt, wird dies alles vereinfacht, in eingängige Bilder gepackt, die starke Gefühle auslösen.

Wie aber werden Worte und Bilder nun von Populisten konkret eingesetzt?
Ein Beispiel: Vor dem Kriegshintergrund in Syrien und weiteren Ländern kamen 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland. Es gab anfangs eine große Willkommenskultur. Von den Menschen an den Bahnhöfen, die ­die Ankommenden sofort unterstützt haben, bis hin zur Kanzlerin Angela Merkel, die ausdrücklich für eine freundliche Aufnahme eintrat.

Ist die Willkommenskultur gekippt?
Es wurde vom rechtspopulistischen Rand schnell von „Flüchtlingsflut“ ­gesprochen. Erst kam die Flüchtlingswelle, dann die Flüchtlingsflut und schließlich der Flüchtlingstsunami. Diese Wortwahl erzeugt Kontroll­verlust und macht Angst. Das Wort „Flut“ wird assoziiert mit Sintflut, Naturgewalt, unaufhaltbar und stark und gleichzeitig mit „böse“. Vereinfacht heißt es: Die Geflüchteten sind eine Naturkatastrophe, die eine Gefahr darstellt – die Gefahr der Überfremdung. Dagegen muss etwas getan werden, also Dämme bauen. Die Ursachen der Flucht, nämlich Krieg, Hunger und Vertreibung, werden völlig ausgeblendet.

Und nun? Wie damit umgehen?
Es gibt dafür keine einfachen Rezepte. Es ist jedoch wichtig, diese Mechanismen zu sehen, sie zu hinterfragen. Auch wenn es unbequem und nicht immer einfach ist: Themen hinterfragen und sich nicht von einfachen „Antworten“ blenden lassen. Auffällig ist übrigens auch, dass Populisten keinen Humor haben. Humor drückt Vieldeutigkeit aus, zeigt unterschiedliche Gefühle und Widersprüche auf. Das propagierte Schwarz-Weiß-Bild gerät ins Wanken und wird im besten Fall sogar damit Lügen gestraft.

Wie viel Populismus verträgt Demokratie?

PROF. DR. WOLFGANG MERKEL
Politikwissenschaftler
WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Wolfgang Merkel ist Direktor der Forschungsabteilung „Demokratie und Demokratisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Progressiven Zentrums sowie weiterer Wissenschaftsgremien.

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STARKE BILDUNGSARBEIT!

IRENE SCHULZ
Vorstand der IG Metall

Irene Schulz ist seit November 2013 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Zu den Aufgaben der diplomierten Politikwissenschaftlerin gehören die gewerkschaftliche Bildungsarbeit/Bildungszentren, Mitglieder und Erschließung sowie die Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“.

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WANDZEITUNGEN IN SCHÖN

ANDREAS HOLZINGER
Businesszeichner und Prozessbegleiter

Überall, wo sich Menschen treffen, um miteinander Dinge zu erarbeiten, zu besprechen und zu planen, ist Visualisierung sinnvoll. Sei es in Meetings, Tagungen, Konferenzen, Seminaren, Trainings und Workshops, sei es in Lehre, Studium, Forschung und Entwicklung. Visuelle Lernlandschaften können dabei den Prozess des Erfahrungslernens (Learning by Doing), des entdeckenden und erforschenden Lernens, fördern und unterstützen. Graphic Recording – die visuelle Dokumentation – heißt live grafisch aufnehmen und festhalten. Wie folgt Beispiele aus dem Workshop.

Mediation – geht das in der Bildungsarbeit?

KERSTIN LEISTNER
Mediatorin, GFK-Trainerin, Systemische Beraterin

Konflikte und unterschiedliche Meinungen treten auch in Betrieben immer mal wieder auf. Oft sind Auslöser ganz banale Dinge, die aber bei den Betroffenen zu starken emotionalen Reaktionen führen. Das kann an der unterschiedlichen Auffassung von Arbeitsabläufen liegen oder aber auch sehr persönliche Eigenschaften betreffen. Gemein ist allen, dass sich die Situationen oft hochschaukeln und von der eigentlichen Sachlage wegbewegen. Sie beeinträchtigen die Zusammenarbeit und ziehen das kollegiale Umfeld in Mitleidenschaft. Als Folge daraus sinkt die Motivation und Arbeitsfähigkeit, das Betriebsklima wird unterkühlt und Krankmeldungen nehmen zu.

Handelt es sich beim Konflikt um ein Sachproblem, reicht meist schon die Moderation eines Unparteilichen aus, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Sind die Positionen jedoch schon verhärtet und haben die emotionale Ebene erreicht, bei der rational keine Einigung mehr zu finden ist, setzt die Mediation als Streitschlichtung ein. Sie gilt als behutsame und konstruktive Konfliktvermittlung, die von einer neutralen dritten Person unterstützt wird. Dabei zielt sie auf eine Lösung ab, die für beide Konfliktparteien eine Win-win-Lösung darstellt.

POPULISMUS

POPULISMUS
Strategien und Anleitungen für den Umgang in Seminaren

ANJA DIEGMÜLLER
IG Metall-Bildungszentrum Beverungen

Populistische Ansichten schlagen uns nicht nur in politischen Debatten, im Alltag oder am Arbeitsplatz entgegen, auch bei Seminaren und Veranstaltungen kommt es zu Konfrontationen. Doch wie reagiert man in solchen Situationen? Lässt man sich auf Gespräche ein und, wenn ja, wie sollten diese geführt werden? „Der Dialog“ bietet eine gute Möglichkeit, von Beginn an die Atmosphäre für einen gelingenden Verständigungsprozess herzustellen. Noch bedeutender aber ist, dass dieser Ansatz dabei hilft, das Wichtigste überhaupt zu berücksichtigen: aktiv zuzuhören! Damit ein Dialog erfolgversprechend verläuft, sind Respekt, Akzeptanz, Offenheit und Tolerenz den anderen gegenüber wichtig. In schwierigen Situationen ist man sich häufig nicht klar darüber, wohin Kopf und Gefühl neigen. Als Abgrenzung zur Diskussion ist der Dialog achtsamer, verständnisvoller und darauf ausgelegt, miteinander in Beziehung zu treten.